Geschichte(n) aus dem Schuhkarton

Historische Fotos: Schwarz-Weiß Fotografie aus Königsberg um 1930

Mit fotografischen Hinterlassenschaften habe ich durchaus Erfahrung. Nach dem Tod meines Vaters habe ich Monate damit verbracht, sein Archiv an Negativen und Dias zu scannen. Dabei sind längst vergessene Fotos aufgetaucht. Das war sehr spannend und ein wichtiger Schritt auf meinem Weg zurück zur analogen Fotografie. Nun fand eine weitere Hinterlassenschaft den Weg zu mir.

Historische Fotos und Zubehör aus einem Dachbodenfund

Bei einer Haushaltsauflösung stießen Bekannte auf einen unscheinbaren Schuhkarton, dessen Inhalt vermutlich schon seit vielen Jahrzehnten auf dem Dachboden lagerte. Zum Glück kam dieser Karton dann zu mir, denn der Inhalt ist sehr überraschend. Einerseits sind da die vielen großen Farbfilter, die nicht für einen Hobbyfotografen sprechen. Und dann ist da ein heute eigentümliches Format der meisten Negative. Die meisten Fotos wurden auf 127er Film aufgenommen. Im Gegensatz zu den wenigen Kleinbild-Negativen aus dem Karton lassen sich diese nicht so einfach scannen. Ich habe mir eine passende Maske für meinen Scanner konstruiert und mit dem 3D-Drucker ausgedruckt. So lief das Scannen eigentlich recht gut.

Historische Schätze

Die erste Überraschung kam nach den ersten Scans: die Fotos sind sehr alt. Eine genauere Datierung ist natürlich schwierig, aber die Negative auf 127er Film wurden schätzungsweise um 1930 aufgenommen. Für dieses Alter sind sie tatsächlich noch recht gut erhalten. Natürlich hat die sehr nachlässige Lagerung Spuren hinterlassen. Es gibt Schmutz, viele Kratzer und sonstige Beschädigungen. Die Kleinbild-Negative sind etwas besser erhalten. Sie stammen aus den 1930ern, unser Fotograf muss also irgendwann die Kamera gewechselt haben.

Alter Negative aus 127er Film auf dem Lichtpult

Die zweite Überraschung: neben Familienbildern gibt es sehr viele Fotos von Reisen. Ein paar der Gegenstände lassen darauf schließen, dass er eigentlich in Berlin lebte. Doch es gibt Fotos zum Beispiel aus Königsberg, London, Barcelona, Neapel, Genua, Palermo, Basel und Karlsbad. Es macht viel Spaß, diese Orte zu recherchieren, wobei KI sehr viel Arbeit abnimmt. Auch wenn sie bei meinen Recherchen doch öfter mal daneben lag. Aber jetzt wird es wohl Zeit, mal ein paar Bilder zu zeigen.

Galerie

Ich habe der Versuchung widerstanden, die Fotos für diesen Artikel weitergehend zu restaurieren. Eine Kratzer- und Staubentfernung mit KI leistet heute wirklich Erstaunliches. Allerdings möchte ich den Fundzustand zeigen und habe daher auf KI verzichtet.

Fazit

Beim Scannen dieser historischen Fotos kamen sehr gemischte Gefühle auf. Einerseits Unverständnis, dass diese Bilder auf dem Dachboden landeten, auch wenn sie damit sicherlich das Schicksal vieler Erinnerungen teilen. Aber nur weil ich mit meinen Negativen pfleglicher umgehe, muss das ja nicht jeder tun. Auf der anderen Seite die Überraschung, dass diese Fotos die lange Zeit so gut überstanden haben. Trotz Schmutz, vielen kleinen und großen Kratzern. Lichtlecks, einigen Fehlbelichtungen und Entwicklungsfehlern kann man aus diesen Bildern etwas machen. Es ist wohl kaum die Mühe wert, jeden Schnappschuss zu retten. Doch diese alten Fotos sind doch wohl ein gutes Argument dafür, nicht jeden Karton mit alten Negativen einfach so auf den Müll zu werfen.

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